Kunterbunterrricht


Frontalunterricht, endlose Folienschlachten, komatöse Teilnehmer und minimale Transfer- und Lerneffekte – das ist mitunter der traurige Alltag in vielen Trainings und Workshops. Woran das liegt? Viele Trainer und Workshopleiter wechseln ihre Methoden selten oder nie. „Never change a winning team“, scheint die Maxime zu sein. Oder aber die Trainer besitzen einen mageren didaktischen Werkzeugkasten und experimentieren zu wenig.

Seminare und Workshops sollten aber möglichst praxisorientiert, unterhaltsam, lebendig und abwechslungsreich sein – weil Lernen einfach besser funktioniert, wenn es Spaß macht. Zudem muss es den Trainern Spaß machen, denn nur echte Begeisterung ist auch ansteckend. Ein ständiger Wechsel zwischen, Paar-, Gruppen-, Plenums- , Einzel- und Skriptarbeit ist hierfür ein echter Garant. Deshalb möchte ich heute ein paar pfiffige Lehrmethoden vorstellen, die ich selbst häufig in meinen Seminaren anwende und öfters variiere…

Der Start

Üblich sind in Workshops häufig sogenannte Vorstellungsrunden. Eben deshalb sind sie auch oft langweilig. Stattdessen können Sie die Teilnehmer bitten, sich jeweils in die vier Ecken des Raumes zu stellen, um etwas über sie zu erfahren. Das bringt im wahrsten Sinne des Wortes Bewegung in die Gruppe. Von Anfang an.

Ein paar Beispiele? Urlaubsländer, in denen die Teilnehmer schon waren, Sportarten, die sie schon ausgeführt haben oder passend zum Thema: Wie viel Erfahrung haben sie in Bezug auf das Thema schon gesammelt?

  1. Ecke: Italien – Volleyball – keine Erfahrung
  2. Ecke: USA – Jogging – wenig Erfahrung
  3. Ecke: Frankreich – Schwimmen – viel Erfahrung
  4. Ecke: Schweden – Fussball – Ich bin Profi

Diese Übung kann man unendlich variieren und auch dazu verwenden, die Gruppe in viele kleine aufzuteilen.

Das Vierer-Plakat

 

Viele Trainer verwenden das sogenannte Paarinterview als Kennenlernübung: Damit sich alle Teilnehmer kennenlernen, stellen sich immer zwei Teilnehmer gegenseitig und vor der Gruppe vor. Dynamischer ist aber die Vierer-Übung: Es wird ein Flipchart mit fünf Feldern erstellt. Jeder Gruppenteilnehmer erhält ein Feld, und in die Mitte kommt ein Feld mit der Überschrift: “Gemeinsames”. Die Aufgabe besteht nun darin, durch geschicktes Fragen, die Gemeinsamkeiten herauszufinden, die nicht offensichtlich sind. Auch dabei lernen sich alle Teilnehmer gut kennen – nur viel spielerischer.

Die Erwartungsabfrage

Die Erwarungsabfrage ist ein Muss in jedem Workshop! Wer darauf verzichtet, kann übel reinfallen, denn dann kann es am Ende des Seminars oder Workshops Beschwerden geben, nach dem Motto: “Wieso haben Sie diesen Punkt eigentlich nicht berücksichtigt?”

Ich mache am Anfang eines Seminars oder Workshops häufig eine Kartenabfrage mit diesen oder ähnlichen Fragen:

  • Was muss hier passieren, damit ich am Ende des Workshops sagen kann: Die Teilnahme hat sich für mich gelohnt?
  • Der Workshop wäre ein Erfolg , wenn…
  • Was ich hier lernen oder festigen möchte, ist…

Die Kopfstandmethode

Wenn Sie mit ihrem Workshop ein bestimmtes Ziel erreichen wollen, etwa, dass am Ende des Workshops Ideen stehen, wie neue Mitarbeiter besser integriert werden können, dann können Sie zur Abwechslung auch die Kopfstandmethode verwenden: Hier wird nicht gefragt, welche Ideen haben Sie, damit neuen Mitarbeitern der Einstieg in die Firma erleichtert wird. Stattdessen grübeln Sie mit Ihren Teilnehmern über das Gegenteil: Was müsste passieren, damit ein neuer Mitarbeiter einen möglichst schweren Start ins Unternehmen hat?

Es macht zuweilen viel mehr Spaß, ein möglichst schwarzes Szenario zu entwickeln. Wichtige ist dann freilich im zweiten Schritt, die Aufgabe wieder umzudrehen. Aus „Der Mitarbeiter sollte möglichst gemieden werden und keinerlei Infos bekommen“ wird dann vielleicht ein „Der Mitarbeiter wird in den ersten drei Monaten von einem Paten kontinuierlich begleitet und erhält einen Infostick mit allen wichtigen Informationen.“

Das Rollenspiel

Mein Buchtipp:

 

Gute ausgetüfftelte Praxisspiele sind ein Muss in Soft-Skilltrainings. Man lernt solche Qualifikationen eben am besten, wenn man sie gleich probt und trainiert. Dennoch ist es manchmal schwierig Rollenspiele oder Praxistransferübungen zu besetzen, weil sich einige Teilnehmer scheuen oder genieren.

Ich habe – zum Glück – bisher zwar noch jedes Rollenspiel ans Laufen gebracht, mich dabei aber manchmal auch einiger unkonventioneller Methoden bedient, um die Teilnehmer zu motivieren. Natürlich wird niemals jemand dazu gezwungen, das ist ein absolutes Tabu! Trotzdem hier ein paar Tipps, wie Sie Teilnehmer animieren können:

    Scrabbletüte

    Diese Methode habe ich mir selbst ausgedacht: Eine kleines Säckchen mit Scrabble-Buchstaben kann manche Übung aufpeppen. Wenn niemanden mitspielen will, sagen Sie einfach: “Ich ziehe nun einen Buchstaben aus der Tüte. Der gezogene Buchstabe ist der Anfangsbuchstabe des Vornamens meines ersten Protagonisten…” Charmantes Lächeln dazu nicht vergessen! Funktioniert immer.

    Karten unter die Stühle kleben

    Oder sie kleben von Anfang an farbige Papierkarten unter die Stühle. Auf diesen Karten können zum Beispiel Nummern stehen. Die Aufforderung lautet dann: “Schauen Sie bitte unter ihre Stühle. Mein erster Protagonist ist derjenige, der die Karte mit der Nummer 1 unter dem Stuhl hat.”

Die Gruppenübung

Es gibt kaum ein Seminar ohne Gruppenübungen. Das Aufteilen nach dem Motto “Bitte finden sie sich zu einer Dreier-Gruppe zusammen, ist aber langweilig. Hier sind ein paar Alternativen:

    Schokolade

    Von Ritter-Sport gibt es farbige Minischokotafeln (Alternativ gehen auch verschieden farbige Bonbons – die müssen lecker sein). Diese lassen Sie zufällig aus einem Korb ziehen. Danach gilt: Gleich und gleich gesellt sich gern, rote Schokotafeln zu roten Schokotafeln.

    Geburtsdatum

    Bitten Sie ihre Teilnehmer, sich nach Geburtsdaten aufzustellen. Die im Januar Geborenen stehen dann beispielsweise ganz links. Sind die Gruppen danach noch zu klein, können Sie diese auch wieder zusammen führen – zum Beispiel nach Jahreszeiten: Frühling (März, April, Mai), Sommer, Herbst und Winter.

    Betriebszugehörigkeit

    Bitten Sie Ihre Teilnehmer, sich nach der Länge ihrer Betriebszugehörigkeit aufzustellen. Oftmals gibt es allein bei dieser Art Ranking amüsante Gespräche und Überraschungen.

Der Lernkreis

Damit sich das Gelernte besser verfestigt, ist es wichtig, dieses gelegentlich zu wiederholen. Dazu können Sie die Teilnehmer bitten, sich in zwei gleich großen Kreisen im Seminarraum aufzustellen – in Form eines inneren und eines äußeren Kreises, sodass jeder Teilnehmer ein Gegenüber hat, wenn sich der Innenkreis nach außen umdreht. Von oben sähe das dann etwa so aus:

Nun sollen die Teilnehmer des Innenkreises ihrem Gegenüber im Außenkreis sagen, was sie vom Thema behalten haben. Alle Teilnehmer gleichzeitig! Nachdem jeder zuende gesprochen hat, ergänzen die Teilnehmer des Außenkreises das Gesagte. Dann geben Sie als Trainer die Anweisung: “Der Außenkreis macht nun einen Schritt nach rechts, der Innenkreis bleibt stehen.” Danach wird die Übung mit dem jeweils neuen Teilnehmer wiederholt. Diesen Prozess können sie mehrfach durchführen.

Das Abschlussfeedback

Am Ende meiner Seminare frage ich niemals: “Wie hat es Ihnen gefallen?” Darum geht es ja auch gar nicht! Das Seminar wird veranstaltet, damit die Teilnehmer Impulse erhalten, die sie später im Alltag umsetzen können. Daher lautet meine Abschlussfrage meist: “Was möchten Sie ab Morgen konkret in Ihrem Alltag umsetzen?”

Damit die Feedbackrunden trotzdem nicht zu lang werden, bediene ich mich manchmal folgender Methoden:

  • Streichholzfeedback Ich gebe eine Schachtel Streichhölzer reihum. Die Teilnehmer dürfen dann aber nur so lange sprechen, wie das Streichholz brennt, das sie selbst entzündet haben.
  • Seifenblasen Ähnlich wie beim Streichholzfeedback wird hier eine Seifenblasenflasche herumgereicht. Auch hier dürfen die Teilnehmer nur so lange sprechen, wie die Seifenblase in der Luft bleibt.

Zum Schluss noch ein wichtiger Tipp:

Wenn Sie ein Seminar planen, fragen Sie sich immer: Was würde mir selbst Spaß machen? Welche Methode finde ich selbst kurzweilig, interessant oder lehrreich? Machen Sie niemals etwas, das Sie nicht mit Haut und Haaren vertreten können, denn so etwas geht oft nach hinten los. Und wenn Sie Lust haben und selbst Seminare oder Workshops veranstalten, verraten Sie uns doch noch Ihre besten Tipps – per Kommentar…