Gefährliche Glaubenssätze – Glaub nicht alles, was Du sagst

Neulich fuhr ich mit meiner Freundin in ihrem Auto zum Flughafen. Der Tank war fast leer, der Motor schien schon zu stottern und wir schafften es gerade noch so bis zur nächsten Tankstelle. Sie tankte und war verblüffend schnell wieder im Auto. Ich fragte sie, warum das denn so schnell gegangen sei. Sie antwortete:
„Ich habe nur für 30 Euro getankt!“
„Warum machst du das denn?“, fragte ich sie.
„Weil ich das immer so mache“, war die tautologische Antwort.

Ein klassischer Glaubenssatz, eine nicht hinterfragte, festsitzende Überzeugung, die fast dazu geführt hätte, dass wir unseren Flieger verpasst hätten. Nun ist das noch nicht so tragisch, wenn man häufiger als nötig an die Tankstelle muss. Schwieriger wird es, wenn derart feste Glaubenssätze zu Erfolgshindernissen werden.

Wir alle haben unsere Glaubenssätze. Und die sind mal mehr und mal weniger nützlich. Das Fatale daran ist, dass diese Sätze sich wie transparente Filter über unsere Wahrnehmung und unser Denken schieben. Wir nehmen die Glaubenssätze also nicht mehr selbst wahr, sondern betrachten viel mehr die Welt durch den Filter dieser Sätze.

Ein gutes Beispiel für die Wirkkraft solcher Sätze ist diese von Robert Dilts bekannte kleine Anekdote:


    Ein Patient glaubt, er sei eine Leiche. Leichen essen und trinken bekanntlich nichts. Dieser Patient gelangt nun an einen Therapeuten, der stundenlang mit ihm spricht, ihn aber letztlich nicht davon überzeugen kann, dass er lebt. Plötzlich kommt ihm die rettende Idee und er fragt: “Sagen Sie,… bluten Leichen?” Die Antwort kommt prompt: “Nein natürlich nicht!” – “Sind sie damit einverstanden, dass ich sie mit einer Nadel in den Finger steche?” Da der Patient eine Leiche ist und Leichen nicht bluten, gibt er großzügig sein Einverständnis. Der Therapeut zückt eine Nadel und sticht zu. Blut strömt aus der Wunde. Darauf der Patient: “Also habe ich mich geirrt – Leichen bluten ja doch!”

Selbst Beweise des Gegenteils werden häufig nicht geglaubt – so stark wirken diese Glaubenssätze. Und sie kommen häufiger vor, als Sie denken. Hier nur mal einige Beispiele wie Glaubenssätze ihr Verhalten im Beruf beeinflussen können:

    * Glaubt jemand „Eigenlob stinkt“, wird es ihm schwerfallen seine Vorzüge im Team darzustellen. Denn wer es täte, würde in seinen Augen ja übel riechen. Und wer will das schon?
    * Der Satz „Schuster bleib bei Deinem Leisten“ wird wahrscheinlich dazu führen, dass ein so geprägter Mensch weniger Risiken eingeht und lieber bei dem bleibt, was er schon immer gemacht hat. So jemand lehnt vielleicht sogar eine Beförderung ab.
    * Sätze wie „An der Spitze ist es einsam“ oder „Ganz oben wird die Luft immer dünner“ führen dazu, dass man Gewinnen und Aufsteigen unbewusst vermeidet, weil man die Einsamkeit danach fürchtet. Solche Überzeugungen können zu starken Karrierehindernissen werden.

Ein sicheres Indiz, woran Sie Ihre eigenen Glaubenssätze erkennen können, sind absolute oder verallgemeinerte Formulierungen wie…

    * Immer
    * Alles
    * Nur
    * Man
    * Jeder
    * Etc.
    * Ich bin einer, der
    * Sowas mache ich grundsätzlich nicht

Es gibt aber auch noch andere typische Formen für Glaubenssätze. Die folgenden sind vor allem einschränkender Natur:

    * Wenn ich frage, halten mich andere für dumm.
    * Nur attraktive Menschen sind erfolgreich.
    * Wenn ich nein sage, mache ich mich unbeliebt.
    * Man darf seinem Chef nicht widersprechen.
    * Ich bin nicht kreativ, nicht begabt, kann nicht…
    * Ich bin nicht gut genug.
    * Nur keine Schwäche zeigen!

Solche Sätze werden häufig in der Kindheit geprägt und später ins Erwachsenenalter übernommen. Oder sie hatten die Funktion, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe – meist der Familie – zu definieren: „Sowas macht man nicht!“ oder „Das haben wir immer schon so gemacht!“ fallen ebenso darunter wie „Das ist nichts für unsereiner!“. Auch wenn solche Imperative zu ihrer Zeit einmal einen Nutzen hatten – sie unreflektiert und jahrelang weiter zu übernehmen, kann zum echten Hindernis werden und einen Menschen seelisch beengen.

Jetzt die Frage, die kommen musste: Pflegen Sie selbst auch solche Glaubenssätze? Natürlich müssen Sie hierauf jetzt nicht antworten – aber Sie können sich selbst-kritisch hinterfragen und mit den folgenden Hinweisen Ihre Glaubenssätze identifizieren: Beobachten Sie sich selbst und entwickeln Sie eine Art inneren Lügendetektor. Da Glaubenssätze häufig mit Vehemenz vorgetragen werden, können Sie sich fragen:

    * Welche Sätze betone ich mit Nachdruck?
    * In welchen Situationen habe ich unangenehme Gefühle, welche Glaubensätze könnten dahinter stehen?

Oder vollenden Sie die folgenden Halbsätze:

    * In meiner Kindheit habe ich häufig den Satz gehört: …
    * Der Lieblingsspruch meines Vaters war: …
    * Meine Mutter hat häufig zu mir gesagt: …
    * Einer meiner Lehrer hat mir eingebläut: …

Prüfen Sie anschließend doch mal, ob der jeweilige Satz für Sie noch immer einen Sinn ergibt. Macht der Satz ihr Leben eher leichter oder eher schwerer? Spüren Sie bei dem Satz eher innere Anspannung oder Erleichterung? Fallen Ihnen andere Sätze ein, die vielleicht nützlicher sein könnten?

Wenn Sie solche Glaubenssätze identifiziert haben, können Sie diese verändern und durch neue ersetzen. Gute und hilfreiche Sätze haben mit Wertschätzung, Anerkennung und Liebe zu tun. So wie diese:

    * Ich bin auch liebenswert, wenn ich ehrgeizig bin.
    * Ich bin gut genug.
    * Es ist okay, Nein zu sagen.
    * Ich erlaube mir, neue Erfahrungen zu machen und dabei Fehler zu machen.
    * Ich darf Freude am Wettbewerb haben.
    * Ich gebe mir die Erlaubnis, herausragend zu sein.
    * Auch wenn ich Karriere mache, bleibe ich liebenswert und verbunden.

Wenn Sie jetzt einen für Sie passenden Satz gefunden haben, können Sie beide Glaubenssätze – den alten und den neuen – in die folgende Übung integrieren. Dabei handelt es sich um eine kurze Phantasiereise, bei der sie möglichst die Kopfhörer aufsetzen und die Augen schließen sollten. Bitte beachten Sie: Sie brauchen für die Übung unbedingt den alten und einen neuen Satz, sonst funktioniert sie nicht. Ich wünsche Ihnen, viel Vergnügen damit…